Der Weg beginnt harmlos: ein breiter Kiespfad ab dem Parkplatz beim Warmfreibad, auf dem sich Kinderwagen genauso wohlfühlen wie Wanderschuhe. Erst wenn der Wald sich lichtet und der Blick auf die Felswand über Farchant fällt, ahnt man, worauf die Runde zuläuft: Aus einer 200 Meter hohen Felswand zwischen Krottenkopf und Simetsberg drückt eine Karstquelle, die im Schnitt 1.500 Liter Wasser pro Sekunde liefert — genug, um in drei Sprüngen über mehr als 270 Höhenmeter zu stürzen und damit zu den höchsten Wasserfällen Deutschlands zu zählen.
Bis dorthin bleibt es ein Spaziergang. Der Walderlebnispfad, der die ersten anderthalb Kilometer trägt, ist auf Familien zugeschnitten: ein Baumtelefon, Klanghölzer, eine Kneippstelle zum Waten, dazwischen Bänke mit Namen, die Farchanter Familien ihren Liebsten gewidmet haben.
Erst am Klimapavillon endet die Gemütlichkeit. Der abzweigende Königsweg nimmt die gut 100 Höhenmeter zu den Fällen in wenigen engen Kehren — kurz, aber so steil, dass man den Anstieg in den Waden spürt. Oben führt eine Brücke über den Kuhfluchtgraben, darunter zerteilt sich das Wasser in mehrere parallele Fäden, die aus dem Felsspalt schießen.
Zurück geht es nicht denselben Weg: Die Route führt an umgestürzten Flachwurzlern vorbei, dann wieder eben durch den Wald zur kleinen St.-Anna-Kapelle. Kurz vor dem Ziel läuft der Pfad am Werkkanal entlang, der seit 1910 Wasser der Loisach zum Kraftwerk Farchant führt — bis zur Olympiade 1936 kam der Strom für ganz Garmisch von hier. Im Winter frieren die Fälle zu bizarren Eisformationen.