Ausflüge ab TutzingVersteckte Highlights im Voralpenland
Zur Orientierung

Die Gebirgsketten

Wetterstein, Ammergauer Alpen, Karwendel — was liegt eigentlich wo? Eine Einordnung der Gruppen zwischen Alpenrand und Hochgebirge.

Das Voralpenland südlich von München reicht von Bad Tölz im Osten bis Füssen im Westen. Was von hier aus als eine durchgehende Alpenkette aussieht, ist tatsächlich ein gutes Dutzend unterschiedlicher Gebirgsgruppen — mit sehr verschiedenem Gestein, sehr verschiedenen Formen und entsprechend sehr verschiedenen Wegen.

Ein Wort zur Systematik

Die Alpenvereinseinteilung der Ostalpen kennt in diesem Raum nur fünf Gruppen: Allgäuer Alpen, Wetterstein mit Mieminger Kette, Karwendel, Ammergauer Alpen und Bayerische Voralpen. Mangfallgebirge, Benediktenwandgruppe, Walchenseeberge und Estergebirge sind demnach keine eigenständigen Gebirge, sondern Untergruppen der Bayerischen Voralpen.

Im Sprachgebrauch und in den Alpenvereinsführern werden sie trotzdem eigenständig geführt — und weil man vor Ort genau so darüber spricht, ist es hier ebenso gehalten. Die formale Einordnung steht bei jeder Gruppe dabei.

Das Alpenvorland selbst

Moränenhügel, Toteisseen und Moore — kein Gebirge, aber die halbe Liste

Lage und Abgrenzung

Zwischen dem Alpenrand im Süden und der Donau im Norden. Der Bereich um Tutzing gehört zum Zungenbecken des Isar-Loisach-Gletschers.

Geologie und was daraus folgt

Alles hier ist eiszeitlich geformt. Der Isar-Loisach-Gletscher schürfte die Becken von Starnberger See, Ammersee und Kochelsee aus und hinterließ beim Rückzug Moränenwälle, Toteiskessel und Schmelzwasserrinnen. In den abflusslosen Senken wuchsen über Jahrtausende die Moore — Murnauer Moos, Loisach-Kochelsee-Moor, Bernrieder Filz.

Für Wanderer und Biker

Sanfte Hügel bis etwa 800 Meter, dazwischen Seen, Moore und Buchenwald. Für Wanderer heißt das kurze Anstiege und viel Aussicht auf die Alpenkette; für Biker lange, gut fahrbare Runden auf Schotter und Feldwegen, die auch im Winter funktionieren, wenn oben Schnee liegt.

Wiesen bei Eschenlohe mit Blick auf die Alpenkette
Wiesen bei Eschenlohe mit Blick auf die Alpenkette Foto: Bjs, CC0, via Wikimedia Commons
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Schematische Lage im Alpenraum. Umrisse und Gruppengrenzen sind stark vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Mangfallgebirge

Die Münchner Hausberge zwischen Isar und Inn

Lage und Abgrenzung

Im Westen das Isartal, im Osten das Inntal, im Süden die Brandenberger Alpen, im Norden das Alpenvorland. Intern gegliedert in Tegernseer Berge, Schlierseer Berge und Wendelsteingruppe.

Geologie und was daraus folgt

Nördliche Kalkalpen, überwiegend Wettersteinkalk und Hauptdolomit, am Nordrand eine schmale Flyschzone. Daraus folgen runde bis mäßig steile Gras- und Latschenrücken mit einzelnen kurzen Felszonen — keine großen Wandfluchten, dafür lange Kammverbindungen. Stark eiszeitlich überprägt, daher die Trogtäler mit Tegernsee und Schliersee.

Für Wanderer und Biker

Ein sehr dichtes Hütten- und Almnetz, fast durchgehend markierte und technisch einfache bis mittelschwere Wege, viele familientaugliche Gipfel. Für Biker attraktiv wegen der vielen Alm- und Forststraßen rund um Valepp, Spitzingsattel und Ursprungtal — Sperrungen sind allerdings kleinräumig geregelt und sollten lokal geprüft werden.

Die Kette im Morgenlicht, von der A8 bei Irschenberg
Die Kette im Morgenlicht, von der A8 bei Irschenberg Foto: DimiTalen, CC0, via Wikimedia Commons
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Schematische Lage im Alpenraum. Umrisse und Gruppengrenzen sind stark vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Quellen: Wikipedia: Mangfallgebirge

Benediktenwand- und Kocheler Berge

Der Isarwinkel — meistbegangener Abschnitt der Voralpen

Lage und Abgrenzung

Zwischen Loisach und Isar. Im Süden die Jachenau, im Norden Benediktbeuern und das Alpenvorland, im Westen trennt die Linie Kochelsee – Kesselberg – Walchensee die Gruppe von den Walchenseebergen.

Geologie und was daraus folgt

Kalkalpin. Die Benediktenwand zeigt den typischen Voralpenbau: eine weithin sichtbare Nordwand über verkarstetem Untergrund, im Süden steile Grasflanken. In der Würmeiszeit ragte der Gipfel als Nunatak rund 600 Meter aus dem Eisstrom.

Für Wanderer und Biker

Der am dichtesten erschlossene und am stärksten begangene Teil der Voralpen: Tutzinger Hütte unter der Nordwand, Brauneck mit Seilbahn ab Lenggries, dazu ein enges Netz aus Almen und Hütten. Der Höhenweg vom Brauneck über den Latschenkopf zur Benediktenwand ist der Klassiker. An Nord- und Südflanke lebt seit den 1960er-Jahren eine Steinbockkolonie.

Die Nordwand über dem Kloster Benediktbeuern
Die Nordwand über dem Kloster Benediktbeuern Foto: Joe MiGo, CC0, via Wikimedia Commons
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Schematische Lage im Alpenraum. Umrisse und Gruppengrenzen sind stark vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Quellen: Wikipedia: Bayerische Voralpen · Wikipedia: Benediktenwand

Walchenseeberge

Herzogstand und Heimgarten — die Gruppe, die fast immer übersehen wird

Lage und Abgrenzung

Im Osten durch Kochelsee, Kesselbergpass und Walchensee von der Benediktenwandgruppe getrennt, im Süden durch das Eschenlainetal vom Estergebirge, im Südwesten durch das Loisachtal von den Ammergauer Alpen, im Norden das Murnauer Moos.

Geologie und was daraus folgt

Kalkalpin, im Wesentlichen Hauptdolomit, an den Südseiten steile Grashänge. Herzogstand und Jochberg waren würmzeitliche Nunatakker; der Kesselberg war ein Alpentor, durch das ein Nebenarm des Isar-Loisach-Gletschers auf rund 1.400 Metern hindurchfloss. Der Formenschatz — kurze Felsabbrüche über breiten Grasrücken — erklärt die berühmten Gratwege.

Für Wanderer und Biker

Der populärste Kurztourenraum der Region. Die Gratwanderung vom Heimgarten zum Herzogstand ist etwas ausgesetzt, aber gut gesichert und bietet gleichzeitig Blick auf Kochelsee und Walchensee. Für Biker sind der Reitweg vom Kesselberg und die Forstwege ab Kochel die naheliegenden Auffahrten.

Wird auf Übersichtsseiten fast immer dem Estergebirge zugeschlagen. Das ist falsch: Die Nordgrenze des Estergebirges ist das Eschenlainetal, der Herzogstand liegt nördlich davon.
Herzogstand links, Heimgarten rechts
Herzogstand links, Heimgarten rechts Foto: Schlaier, Public Domain, via Wikimedia Commons
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Schematische Lage im Alpenraum. Umrisse und Gruppengrenzen sind stark vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Quellen: Wikipedia: Walchenseeberge · Wikipedia: Herzogstand

Estergebirge

Karstplateau zwischen Loisach und Isar, erstaunlich ruhig

Lage und Abgrenzung

Zwischen Loisach- und Isartal, im Norden scharf durch die Eschenlaine begrenzt. Der Höhenzug Heimgarten–Herzogstand gehört ausdrücklich nicht dazu.

Geologie und was daraus folgt

Süd- und Nordflanken bestehen aus Hauptdolomit, im Zentrum hat sich darüber der jüngere Plattenkalk erhalten — aus ihm bestehen die Hauptgipfel. Plattenkalk verkarstet stark, und so liegt hier eines der größten zusammenhängenden Karstgebiete der Bayerischen Alpen: rund anderthalb Quadratkilometer Karstfläche auf 1.600 bis 1.700 Metern, voller Dolinen und Schluck­löcher. Für Touren heißt das karge, wasserlose Böden, lange Zustiege und kaum Quellen.

Für Wanderer und Biker

Trotz der Nähe zu Garmisch auffallend ruhig, weil die Anstiege aus dem Loisachtal wie von Krün lang sind. Einzige Ausnahme ist der mit der Bahn erschlossene Wank. Zweiter Stützpunkt ist die Weilheimer Hütte am Krottenkopf. Sehr gut mit der Bahn kombinierbar — Ohlstadt, Eschenlohe, Oberau und Farchant liegen alle an der Strecke.

Hoher Fricken, Bischof und Krottenkopf vom Wank aus
Hoher Fricken, Bischof und Krottenkopf vom Wank aus Foto: Luidger, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
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Schematische Lage im Alpenraum. Umrisse und Gruppengrenzen sind stark vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Quellen: Wikipedia: Estergebirge · Wikipedia: Krottenkopf

Karwendel

Das größte und hochalpinste Gebirge im Grenzraum

Lage und Abgrenzung

Isar von Scharnitz bis Fall, Walchen, Achenbach, Achensee, Inn von Jenbach bis Zirl, Seefelder Sattel und zurück zur Isar. Rund 45 Kilometer von Ost nach West, knapp 30 von Nord nach Süd. Etwa 80 Prozent liegen in Tirol.

Geologie und was daraus folgt

Wettersteinkalk und Dolomit. Die vier großen West-Ost-Ketten bestehen aus mächtigen, durch die Auffaltung nach Süden geneigten Kalkbänken. Daraus folgt der prägende Bau: senkrechte, bis tausend Meter hohe Nordwände — Musterbeispiel sind die Laliderer Wände —, während die sanfteren Südseiten von den Gletschern zu weiten Karen ausgefräst wurden. Das Gestein ist vielerorts brüchig, was für die Wegewahl entscheidend ist.

Für Wanderer und Biker

Deutlich höherer Anspruch als in den Voralpen: Nur wenige Gipfel der mittleren Ketten sind gut erschlossen, viele Anstiege führen durch steile Schrofen- und Geröllfelder, teils weglos. Für Biker ist das Karwendel dagegen der Klassiker — die langen Talstraßen ins Rißtal, nach Hinterriß und in die Eng bilden das Rückgrat vieler Tagestouren.

Im Naturschutzgebiet und Naturpark Karwendel sind Zelten, Feuermachen und das Stören von Wildtieren verboten. Das Isar-Flusssystem hat einen für Mitteleuropa außergewöhnlich hohen Natürlichkeitsgrad.
Das Karwendel im Abendlicht
Das Karwendel im Abendlicht Foto: Nf1973, CC0, via Wikimedia Commons
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Schematische Lage im Alpenraum. Umrisse und Gruppengrenzen sind stark vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Quellen: Wikipedia: Karwendel

Wettersteingebirge

Zugspitze, Alpspitze und der festeste Fels der Region

Lage und Abgrenzung

Im Westen und Norden die Loisach vom Ehrwalder Becken bis Garmisch-Partenkirchen, im Nordosten Kankerbach, Kranzbach und Isar bis Mittenwald, im Osten die Isar bis Scharnitz, im Süden das Gaistal und die Ehrwalder Alm.

Geologie und was daraus folgt

Stark verkarstet, vorwiegend Trias-Kalke und vor allem Wettersteinkalk — der festeste und plattigste Fels der Region. Daraus folgen schroffe hohe Wände, große Kare wie das Zugspitzplatt, die Klammen von Höllental, Partnach und Leutasch sowie ausgezeichneter Kletterfels. Die Hochwanner-Nordwand fällt über 1.400 Meter ab und gehört zu den höchsten Felswänden der Nördlichen Kalkalpen.

Für Wanderer und Biker

Der klar hochalpinste Teil des Gebiets, mit sechs bewirtschafteten Alpenvereinshütten und zahlreichen Klettersteigen. Für Einsteiger und Familien bleiben die gesicherten Klammwanderungen und die Talwege. Für Biker ist es faktisch kein Gipfelgebirge — fahrbar sind im Wesentlichen Reintal, Gaistal und die Talwege; die Höhe macht hier die Seilbahn oder der eigene Fuß.

In dieser Liste bewusst kaum vertreten: Die klassischen Ziele hier stehen in jedem Reiseführer.
Vom Südufer des Eibsees zum Zugspitzgipfel
Vom Südufer des Eibsees zum Zugspitzgipfel Foto: 958s, CC0, via Wikimedia Commons
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Schematische Lage im Alpenraum. Umrisse und Gruppengrenzen sind stark vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Quellen: Wikipedia: Wettersteingebirge

Ammergauer Alpen

Flysch am Rand, Kalk im Kern — und das dichteste Forstwegenetz

Lage und Abgrenzung

Rund 30 mal 30 Kilometer. Im Norden das Alpenvorland zwischen Lech und Loisach, im Westen der Lech bis Reutte, im Osten und Süden die Loisach bis ins Ehrwalder Becken.

Geologie und was daraus folgt

Der Süden besteht großflächig aus Hauptdolomit und zeigt deshalb eher monotone Formen. Der Norden ist abwechslungsreicher, dort dominiert stellenweise Wettersteinkalk — daraus bestehen Hochplatte und Säuling. Am Alpenrand tritt flächendeckend Flysch auf: erosionsanfällig, deshalb runde, meist bis oben bewaldete Berge mit Mittelgebirgscharakter. Genau dieser Gegensatz macht Hörnle und Hohe Bleick so anders als die Gipfel dahinter. Eine Besonderheit sind die gewaltigen Dolomitschuttströme, die ganze Täler verschütten.

Für Wanderer und Biker

Wegen der moderaten Höhen und der Nordrandlage ideal für durchschnittliche Bergwanderer — die meisten Gipfel sind Tagestouren aus den Talorten. Entsprechend gering ist die Zahl der Hütten, und im zentralen und südlichen Bereich fehlen Bergbahnen und Unterkünfte vollständig. Für Biker das große Plus: die Forstwirtschaft hat ein sehr dichtes Forststraßennetz hinterlassen, dazu ausgewiesene Verbindungen wie den Altherrenweg und den Sonnenweg.

Das Naturschutzgebiet Ammergebirge ist mit 288 Quadratkilometern das größte Bayerns — Wegegebot beachten.
Der Säuling über dem Forggensee
Der Säuling über dem Forggensee Foto: Edelmauswaldgeist, CC0, via Wikimedia Commons
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Schematische Lage im Alpenraum. Umrisse und Gruppengrenzen sind stark vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Quellen: Wikipedia: Ammergauer Alpen

Allgäuer Alpen

Der Westrand — Heimat des Grasgehens

Lage und Abgrenzung

Vom Alpenvorland über den Lech bis Warth, Hochtannbergpass, Bregenzer Ache und zurück ins Alpenvorland. Anteile in Bayern, Tirol und Vorarlberg.

Geologie und was daraus folgt

Deutlich vielfältiger als in den übrigen Gruppen. Der zentrale Hauptkamm besteht aus Hauptdolomit und bildet felsige, wuchtige Gipfel. Benachbarte Berge bestehen aus Lias-Fleckenmergeln, die berühmten Grasberge wie Höfats und Schneck aus jüngeren Jurakalken über einem Mergelsockel. Daraus folgt der Ruf der Region: extrem steile, durchgehend begrünte Flanken statt Felswänden.

Für Wanderer und Biker

Ein eigenes Universum mit Heilbronner Weg, Hindelanger Klettersteig und der E5-Alpenüberquerung. Das Grasgehen ist hier ein eigenes Genre: Sicherungsmöglichkeiten sind schlecht, und Nässe oder Vereisung machen leichte Wege schnell sehr ernst.

Liegt am Rand des Radius und ist in dieser Liste deshalb nicht mit eigenen Touren vertreten. Der Große Krottenkopf hier ist ein anderer Berg als der Krottenkopf im Estergebirge — die beiden liegen rund 90 Kilometer auseinander.
Der Hochvogel von Hinterhornbach
Der Hochvogel von Hinterhornbach Foto: Dguendel, CC0, via Wikimedia Commons
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Schematische Lage im Alpenraum. Umrisse und Gruppengrenzen sind stark vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Quellen: Wikipedia: Großer Krottenkopf