Ausflüge ab TutzingVersteckte Highlights im Voralpenland
Aus der Praxis

Vorbereitung

Mit Vorbereitung ist kein Trainingsplan gemeint, sondern die Frage: Habe ich dabei, was ich brauchen werde?

Verpflegung

Draußen bekommt man schnell Hunger. Zur Tagestour gehört die Einkehr auf einer Hütte dazu — trotzdem muss eine Notration immer mit. Hütten haben auch mal unerwartet geschlossen, und Alternativen sind am Berg rar.

Was in den Rucksack gehört

Das ist Geschmackssache. Was am Ende der Tour regelmäßig wieder nach Hause getragen wird, kann auch gleich zu Hause bleiben — das spart schlicht Gewicht. Ein paar Dinge sind trotzdem geeigneter als andere.

Powerriegel

Ein bis zwei habe ich immer dabei. Achten sollte man auf einen hohen Energiewert, am besten zusammen mit viel Protein und eher wenig Zucker; die Sorten, die ich mag, enthalten meist Nüsse oder Honig. Nachteil: Riegel sind teuer. Und ehrlich gesagt ist eine Pause mit Blick aufs Alpenpanorama etwas mager, wenn es dazu nur einen Riegel gibt. Also: klassische Notration, nicht mehr.

Die besseren Alternativen

Die Zutatenliste der Riegel verrät schon, was man stattdessen nehmen kann. Nüsse aller Art sind reich an Protein und guten Fetten, Trockenfrüchte liefern platzsparend viel Energie. Noch besser ist Studentenfutter, weil die Rosinen den Zucker fürs schnelle Wiederaufladen mitbringen — es schmeckt besser und kostet weniger. Ein Hinweis dazu: rechtzeitig Pause machen und nachladen, bevor der Akku leer ist. Sonst dauert die Pause deutlich länger.

Die klassische Brotzeit

Sie hat nicht ausgedient, im Gegenteil. Ein paar Scheiben Vollkornbrot mit Käse oder Wurst, für die Mittagspause vielleicht ein hartgekochtes Ei, dazu Karotten und Gurken, zum Nachtisch Äpfel und Bananen — damit ist man gut ausgerüstet. Ein paar Stücke Blechkuchen in der Dose werden immer gern genommen, notfalls tun es Kekse. Schokolade ist zum Naschen in Ordnung, zählt aber nicht als Proviant. Wobei die Kinder nicht böse sind, wenn am steilsten Stück etwas zur Motivation aus der Tasche kommt.

Was zu trinken

Isotonische Softdrinks und Energydrinks sind beliebt, für Wanderung und Biketour aber nicht optimal: viel Zucker, künstliche Zusätze, und sie führen zu keiner nachhaltigen Hydratation, weil die Flüssigkeit schnell wieder durch den Körper ist. Wasser bleibt die beste Wahl — natürlich, kalorienfrei und am besten geeignet. Mindestens anderthalb Liter pro Person, beim Radfahren schnell mehr. Auffüllen nicht vergessen.

Alkoholfreies Weißbier ist dagegen für die Regeneration nach dem Sport tatsächlich gut: reich an Kohlenhydraten und Elektrolyten, dazu B-Vitamine und Polyphenole. Als Ersatz für Wasser taugt es trotzdem nicht.

„Beim Wandern haben wir immer Karotten, Gurken, belegte Brote, gegebenenfalls ein hartgekochtes Ei und als Energiespender zwischendurch für die Kinder Kekse dabei. Als Proviant ist Studentenfutter super, wenn der Platz eng ist. Riegel sind als Notration im Rucksack. Zum Trinken ist immer ausreichend Wasser dabei.“

— Max

Anreise mit Auto und Bahn

Die Anreise zu den Touren im Voralpenland ist mit der Werdenfelsbahn und der Bayerischen Oberlandbahn gut machbar. Beide bedienen eine ganze Reihe von Bahnhöfen, die sich als Ausgangspunkt eignen. Der große Vorteil: Räder lassen sich mitnehmen, man startet direkt am Zielbahnhof, und weder Auto noch Dachträger sind nötig. Wer trotzdem mit dem Auto fährt, ist mit einem Heckträger gut bedient.

Auto oder Bahn?

Viele nehmen aus Gewohnheit das Auto, weil es flexibel und unabhängig macht. Im Alpenvorland gibt es dazu aber eine echte Alternative — und gleich drei Gründe, sie zu nutzen:

  • Die Umwelt. Autos sind eine Hauptquelle für Schadstoffe und CO₂. Wenn es anders geht, sollte das Auto stehen bleiben.
  • Der Stau bei Eschenlohe. Am Wochenende staut es sich dort und vor Garmisch regelmäßig. Auch die Heimreise ab Garmisch beginnt gern im Stau.
  • Der Preis. Mit dem Deutschlandticket lassen sich alle Regionalzüge nutzen. Für Biker gibt es das Bayerische Fahrradticket in der App der BRB oder am DB-Automaten; im erweiterten MVV-Verbundraum, etwa bis Kochel, wird es noch günstiger.

Gravel oder Mountainbike?

Zwei ziemlich verschiedene Welten — und trotzdem stehen hier beide. Ich fahre beides: für Touren in den Bergen und im unwegsamen Gelände ein All-Mountain-MTB, für die weiten Strecken im Alpenvorland ein Gravelbike.

Komfort und Geschwindigkeit

Mountainbikes haben eine Federung, die meisten Gravelbikes nicht, und die Reifen sind breiter. Das vollgefederte MTB schluckt Stöße weg, während man auf dem Gravelbike im unwegsamen Gelände schnell durchgeschüttelt wird — schon bei einem Schlagloch. Der Komfort hat seinen Preis: Das MTB ist schwerer, hat mehr Rollwiderstand, und die Federung kostet Kraftübertragung. Das Gravelbike ist deshalb nicht nur deutlich schneller, es bringt auch mehr Reichweite.

Verkehrssicherheit und Mehrtagestouren

Jedes Rad lässt sich verkehrssicher ausrüsten, das ist keine Frage der Gattung. Ich empfehle es sehr — und zwar weniger wegen einer möglichen Verwarnung, sondern als Sicherheitsfeature. Mir ist schon öfter passiert, dass ich bei bestem Wetter losgefahren und im Regen bei schlechter Sicht oder deutlich später als geplant zurückgekommen bin. Licht und Reflektoren sind Pflicht: Ohne Licht wird man auf der Straße nicht gesehen, und daneben sieht man selbst nichts.

Bei Mehrtagestouren spielt das Gravelbike seine Stärke aus — viele sind als Reiseräder konzipiert und bieten reichlich Möglichkeiten, Gepäck unterzubringen. Beim MTB hat man alles im Rucksack, höchstens noch eine Lenkertasche dazu. Wobei ich auch schon mit MTB und 20-Liter-Rucksack eine Transalp gefahren bin.

Robustheit und Einsatzzweck

MTBs sind für anspruchsvolles Gelände gebaut, stabil konstruiert und gedämpft — und dadurch schwerer. Gravelbikes sind robuster als Rennräder, aber deutlich leichter als MTBs und für weniger technisches Gelände ausgelegt: gut auf Schotter, hartgepackten Singletrails der Grade S0 und S1 und auf Asphalt. Solange es dabei bleibt, spricht viel fürs Gravelbike. Aber S2 mit dem Gravelbike macht keinen Spaß. Wer mit dem Rad wirklich in die Berge will, nimmt das MTB.

„Für weitere Strecken im Alpenvorland ist klar das Gravelbike der Favorit — Kilometer abradeln mit dem MTB ist mühsam. Sobald es aber in die Berge geht, würde ich mein MTB um nichts in der Welt hergeben. Und einen Trail runterfahren? Da kommt kein Gravelbike mit.“

— Max

Die Singletrail-Skala

Was bedeuten die S-Grade, die bei Trails immer genannt werden? Die Kurzfassung:

GradWas einen erwartet
S0Keine besonderen Schwierigkeiten. Flüssige Wald- und Wiesenwege auf griffigem Naturboden oder festem Schotter, kaum Stufen oder Wurzeln, weitläufige Kurven.
S1Kleinere Hindernisse wie flache Wurzeln und Steine, oft Wasserrinnen und Erosionsschäden, teils unbefestigter Untergrund. Gefälle bis 40 Prozent, keine Spitzkehren.
S2Größere Wurzeln und Steine, meist unbefestigt, Stufen und flache Treppen, oft enge Kurven. Passagenweise bis 70 Prozent steil.
S3Verblockte Trails mit großen Felsbrocken und Wurzelpassagen, hohe Stufen, Spitzkehren, kniffelige Schrägfahrten. Rutschiger Untergrund und loses Geröll, über 70 Prozent Steilheit keine Seltenheit.
S4Sehr steil und stark verblockt, dazwischen loses Geröll. Extreme Steilrampen, enge Spitzkehren, Stufen, bei denen das Kettenblatt aufsetzt.
S5Blockgelände mit Gegenanstiegen, Geröllfeldern, ösenartigen Spitzkehren und mehreren hohen Absätzen hintereinander — meist in extremer Steilheit und ohne Auslauf.

Nicht alle Merkmale müssen erfüllt sein, damit eine Passage einem Grad zugeordnet wird. Ein Trail kann abschnittsweise unterschiedlich schwierig sein — er wird dann etwa als S2 mit zwei S3-Passagen beschrieben.